Emerse oder submerse Aquarienpflanzen kaufen?

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Oft fra­gen uns Kun­den, ob unse­re Aqua­ri­en­pflan­zen sub­mers (abge­taucht, also unter Was­ser) oder emers (auf­ge­taucht, also über Was­ser) kul­ti­viert wer­den. Die Fra­ge kann ich mit einem kla­ren „kommt dar­auf an“ beant­wor­ten. 😉

Was sind submerse Aquarienpflanzen?

egeria_densa_submerse Aquarienpflanzen
Was­ser­pest als Bei­spiel für eine ech­te emer­se Aqua­ri­en­pflan­ze

In der Natur wach­sen die meis­ten der für die Aqua­ris­tik geeig­ne­ten Pflan­zen über Was­ser. Es han­delt sich also nor­ma­ler­wei­se um emer­se Pflan­zen. Sie gedei­hen in sump­fi­gem Gelän­de oder am Ufer von Gewäs­sern. Die­se Pflan­zen sind aber in der Lage, bei dau­er­haf­ter Über­flu­tung Unter­was­ser­blät­ter aus­zu­bil­den und dann unter­ge­taucht wei­ter zu leben. Aller­dings wach­sen sie unter der Was­ser­ober­flä­che lang­sa­mer und die Blät­ter sind emp­find­li­cher gegen mecha­ni­sche Bean­spru­chung. Nur die eigent­li­chen Was­ser­pflan­zen sind ech­te sub­mer­se Aqua­ri­en­pflan­zen. Sie kön­nen nicht dau­er­haft emers leben und sind auf das Was­ser als Lebens­raum ange­wie­sen. Dazu gehö­ren zum Bei­spiel die Arten der Gat­tun­gen Val­lis­ne­ria, Myrio­phyl­lum, Cabom­ba und die See­ro­sen. Aber auch das bekann­te Horn­kraut (Cer­a­to­phyl­lum demer­sum) und die Was­ser­pest (Ege­ria den­sa) wach­sen in der Natur immer unter­ge­taucht.

Warum werden die Pflanzen emers und nicht submers produziert?

Kirschblattpflanze emers im Treibhaus
Kirsch­blatt­pflan­zen emers im Treib­haus, im Hin­ter­grund rotes Papa­gei­en­blatt

Die Pro­duk­ti­on von emer­sen Pflan­zen ist deut­lich kos­ten­güns­ti­ger als die Auf­zucht unter Was­ser. Wie alle Pro­duk­ti­ons­fir­men sind auch die Gärt­ne­rei­en einem enor­men Kos­ten­druck aus­ge­setzt. Die Heiz- und die Beleuch­tungs­kos­ten haben sich in den letz­ten Jah­ren nahe­zu ver­dop­pelt. Vie­le klei­ne­re Gärt­ne­rei­en muss­ten auf­ge­ben oder haben ihre kom­plet­te Pro­duk­ti­on nach Asi­en ver­la­gert.
Eini­ge gro­ße und spe­zia­li­sier­te Gärt­ne­rei­en in Hol­land, Deutsch­land und Däne­mark haben jedoch durch kon­se­quen­te Umstel­lung auf emer­se Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren, Moder­ni­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung ihrer Pro­duk­ti­on über­lebt. Sie lie­fern heu­te qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Aqua­ri­en­pflan­zen aus euro­päi­scher Pro­duk­ti­on. Alle aus­schließ­lich sub­mers wach­sen­den Pflan­zen wer­den aller­dings auch hier aus Asi­en hin­zu­ge­kauft.

Wachsen submers gezogene Pflanzen im Aquarium besser als andere?

Nein, denn die ent­spre­chen­den Pflan­zen sind auch in der Natur an wech­seln­de Was­ser­stän­de ange­passt. Es ist auch ein Mythos, dass sie erst alle Blät­ter ver­lie­ren, um dann neue Unter­was­ser­blät­ter zu bil­den. Auch über Was­ser gewach­se­ne Blät­ter tra­gen im Aqua­ri­um zur Pho­to­syn­the­se bei. Bleibt die Pflan­ze jedoch län­ge­re Zeit unter Was­ser, dann bil­den sie in der Tat nach und nach bes­ser ange­pass­te Unter­was­ser­blät­ter aus. Die bereits bestehen­den Blät­ter unter­lie­gen dem nor­ma­len Alte­rungs­pro­zess und ster­ben im Zeit­raum von eini­gen Wochen bis Mona­ten ab.

Bei vie­len Gat­tun­gen unter­schei­den sich die sub­mer­sen Blät­ter im Aus­se­hen aller­dings grund­le­gend von den über Was­ser gewach­se­nen. Bes­tes Bei­spiel hier­für ist die Rund­blätt­ri­ge Rota­la. Wäh­rend die emer­sen Blät­ter rund (lat. Name!) und grün sind, wach­sen unter Was­ser läng­li­che, leuch­tend rote bis rot­brau­ne Blät­ter. Das sieht eini­ge Wochen nach dem Ein­pflan­zen natür­lich erst ein­mal merk­wür­dig aus. Aller­dings ver­wen­den Aqua­ria­ner ja nur die Spross­spit­zen zur Ver­meh­rung, sodass die Pflan­ze spä­tes­tens nach der ers­ten Ver­jün­gung nur noch aus sub­mer­sen Stän­geln besteht.

Deutliche Unterscheidung emerser und submerser Aquarienpflanzen am Beispiel von Echinodorus xbarthii (Barths Schwertpflanze)

Barths Schwertpflanze emers im Treibhaus gezogen
Barths Schwert­pflan­ze aus emer­ser Gewächs­haus­kul­tur
Barths Schwertpflanze submers im Aquarium
Barths Schwert­pflan­ze nach eini­gen Wochen im Aqua­ri­um

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein wei­te­res deut­li­ches Bei­spiel für das unter­schied­li­che Aus­se­hen sub­mer­ser und emer­ser Exem­pla­re sind die Schwert­pflan­zen. Die „Luft­blät­ter“ der Schwert­pflan­zen sehen fast aus­schließ­lich grün oder grün-braun gefleckt aus. Unter Was­ser hin­ge­gen ver­wan­deln sich die Pflan­zen in far­ben­fro­he Kost­bar­kei­ten. Leuch­tend rote, lila­far­be­ne oder rot­ge­flamm­te Blät­ter erschei­nen nach und nach aus der Roset­te. Die Pflan­ze ist nach eini­gen Wochen nicht mehr wider­zu­er­ken­nen.

Aber nicht nur die Far­be der Blät­ter ändert sich. Wäh­rend emer­se Echi­no­do­ren oft ellip­ti­sche, eiför­mi­ge oder lan­zett­li­che Blatt­for­men auf­wei­sen, sind die Blät­ter sub­mer­ser Exem­pla­re deut­lich schma­ler, oft band­för­mig oder linea­lisch. Vie­le Sor­ten bekom­men unter Was­ser leicht gewell­te Blatt­rän­der.

Vie­le deut­sche Namen unse­rer Aqua­ri­en­pflan­zen deu­ten auf die Unter­was­ser­for­men hin. Hat der Aqua­ria­ner zum Bei­spiel eine im Treib­haus gewach­se­ne „Rubin­ro­te Schwert­pflan­ze“ vor sich, dann stellt er sich manch­mal schon die Fra­ge nach der Her­kunft des Namens. Erst nach eini­gen Wochen Aqua­ri­en­kul­tur wird deut­lich, was der Namens­ge­ber damit wohl im Sinn hat­te.

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4 Kommentare

  1. Sehr inter­es­san­ter Bei­trag, vor allem auch der Ein­blick in die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on von Was­ser­pflan­zen­gärt­ne­rei­en!

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